Klimawandel gibt dem Meer Saures (in German)
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Die co2-emissionen setzen den ozeanen zu, mit dramatischen Folgen für meeresbewohner

Ohne die Ozeane hätten wir heute schon das Klima des Jahres 2050. Mehr als eine halbe Milliarde Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) haben die Weltmeere seit vorindustrieller Zeit geschluckt. Das ist rund die Hälfte aller vom Menschen verursachten fossilen CO2-Emissionen.

Aus Sicht vieler Meeresbewohner hat diese Pufferfunktion der Ozeane eine traurige Kehrseite: Im Wasser gelöst wird CO2 – wie wir es vom Mineralwasser her kennen – zu Kohlensäure. Da Säure Kalk auflöst, ist dies Gift für kalkhaltige Organismen wie Korallen, Muscheln, Garnelen, Meeresschnecken, manche Planktonarten und Algen. Ihnen kommt die Bausubstanz für ihre teilweise filigranen Kalkskelette abhanden. In Extremfällen kann das veränderte Meerwasser die Kalkstrukturen sogar auflösen.

«Man hatte immer das Gefühl, ein minimal angesäuerter Ozean sei unbedenklich, da andere kalkhaltige Organismen in weit saureren Seen leben können», sagt Nicolas Gruber vom Institut für Biogeochemie und Schadstoffdynamik der ETH Zürich. «Die neue Erkenntnis ist, dass viele Meeresorganismen dennoch negativ reagieren. »

Und das zieht einen ganzen Rattenschwanz möglicher Folgen mit sich. Algen, Plankton und Meeresschnecken stehen am Anfang der Nahrungskette. Werden diese durch die Versauerung dezimiert, fehlt zahlreichen Fischen die Nahrungs- und damit vielen Fischern die Lebensgrundlage. Global gesehen fast so wichtig wie die Fischerei selbst ist der Ertrag von Meeresfrüchten wie Muscheln, Langusten und Hummer. Auch der könnte drastisch einbrechen. Verschwinden würden auch Korallenriffe und mit ihnen die Touristen und der natürliche Küstenschutz vor Sturmfluten.

Bis zu 100 Millionen Menschen werden zu Klimaflüchtlingen

Seit Mai liegt ein Bericht der Umweltschutzorganisation WWF vor. Danach könnten allein im «Korallendreieck » Indonesien, Philippinen und Salomon- Inseln bis zu 100 Millionen Menschen durch das Verschwinden der Korallenriffe bis Ende des Jahrhunderts zu Klimaflüchtlingen werden. Diese Zahl ist sicher mit grosser Unsicherheit behaftet. Sie zeigt aber doch, in welcher Grössenordung das Problem liegt.

Besondere Relevanz bekommt die Thematik durch neue Studien. So konnten Gruber und Mitarbeiter zeigen, dass die Meerwasserversauerung ausgerechnet in den fischreichsten Regionen viel früher ein bedenkliches Mass erreichen wird als bislang gedacht. Heute sind die Weltmeere mit kalkhaltigen Mineralien wie Aragonit und Calcit übersaÅNttigt, aus denen kalkschalenbildende Organismen ihre Bausubstanz beziehen. Kritisch wird es für diese Lebewesen, wenn die Übersättigung durch zunehmende Versauerung in eine Untersättigung kippt, also kein Aragonit und Calcit mehr verfügbar ist. Dann kann sich Kalk spontan auflösen.

In sogenannten Auftriebszonen, in denen nährstoff- und CO2- reiches Tiefenwasser an die Oberfläche gelangt, ist dieser Kipppunkt schon fast erreicht. «In 10 bis 30 Jahren wird es dort soweit sein, nicht erst in 50 oder 100 Jahren », sagt Gruber. Detaillierte Computersimulationen hat Gruber für das Auftriebsgebiet vor der Küste von Kalifornien gemacht. Die Resultate zeigen eianzeige

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Von Joachim Laukenmann, Wissen, 21 June 2009.

 

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